Open this publication in new window or tab >>2024 (German)In: DENK-doch-MAL.de, no 4Article in journal (Other academic) Published
Abstract [de]
Grundlage der folgenden Thesen sind drei Forschungsprojekte, die wir seit 2007 über die Umweltpolitik von Gewerkschaften in Brasilien, Südafrika, Indien, Schweden, dem Vereinigen Königreich (VK) und Spanien durchgeführt haben. Wir haben über 200 Interviews geführt, Dokumente studiert, Tagungen, Konferenzen und COPs besucht. In unserem noch laufenden Projekt haben wir 6 Kurse mit Gewerkschafter*innen in Spanien und im VK organisiert, in denen es darum ging, wie die Arbeitenden den ökologischen Fußabdruck ihres Arbeitsplatzes analysieren und welche Alternativen sie entwickeln.
Im Laufe der Zeit haben wir unseren Blick erweitert auf andere Kategorien von Arbeitenden. Für viele indigene Völker und für Subsistenzarbeitende ist die Klimakrise schon jetzt eine Frage von Leben und Tod. Für die Arbeitenden in den Industrieländern geht es darum, eine Klimapolitik zu entwickeln, die den Lebensstandard hält und ‚gute Arbeit‘ garantiert. Der von der US- amerikanischen Arbeiterbewegung geprägte Begriff der Just Transition (gerechter Übergang) ist dabei Allgemeingut geworden, besonders, seit er 2015 in die Präambel des Pariser Abkommens übernommen wurde. In Deutschland spricht man von der Transformation, oder der sozio-ökologischen/sozialökologischen Transformation. Es geht jeweils darum, die Bekämpfung des Klimawandels mit den Bedürfnissen der Arbeitenden in Einklang zu bringen. Aber worum geht es beim Klimawandel und was sind die Bedürfnisse der Arbeitenden?
Ich beginne die Frage nach den Bedürfnissen der Arbeitenden mit einem Blick in die Geschichte, die, so William Faulkner, nicht tot, ja nicht einmal Geschichte ist.[1] Daraus ergeben sich drei Thesen, die ich zur Diskussion stellen möchte. 1. Die gewerkschaftliche Klimapolitik leidet unter zwei Verengungen: sie reduziert die ökologische Krise auf Treibhausgasemissionen und auf den nationalen Kontext. 2. Die Struktur der Politik konstruiert die Arbeitenden als Opfer, sieht sie nicht als Handelnde. 3. Die Bedürfnisse der Arbeitenden werden auf ihre Interessen auf Lohnarbeiter*innen reduziert, es fehlen ihre umfassenderen Bedürfnisse nach einem sinnvollen Leben.
Place, publisher, year, edition, pages
ver.di, 2024
National Category
Sociology
Identifiers
urn:nbn:se:umu:diva-241688 (URN)
2025-06-282025-06-282025-07-01Bibliographically approved